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Der Tropfen

Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit in einem nicht so weit entfernten Land, da lebte ein kleiner Tropfen inmitten einer vollen Wolke. Wie das möglich war, weiß ich auch nicht, aber es war wirklich so. Der kleine Tropfen lebte inmitten einer weißen vollen Wolke, die ihn niemals fallen ließ.
Der Name der Wolke war Frau Dicke Wolke und der Name des kleinen Tropfen war einfach nur Tropfen.


Jahrelang hielt Frau Dicke Wolke den kleinen Tropfen in ihrem Wolkenkleid, und jedesmal wenn sie ihn fallen lassen wollte, fing der kleine Tropfen an zu weinen und deswegen brachte Frau Dicke Wolke es nicht übers Herz, ihn fallen zu lassen. Die zwei reisten zusammen in jeden Winkel der Erde. Wenn das Wetter warm wurde, dann nahm Frau Dicke Wolke den kleinen Tropfen und trug ihn zu einem Erdteil, wo das Wetter kühl war, damit sie so den Tropfen weiter halten konnte. Aber Frau Dicke Wolke wusste, dass da oben nicht der richtige Platz für den Tropfen ist, aber der kleine Tropfen wollte das nicht glauben. Frau Dicke Wolke wusste nicht mehr, was sie mit dem Tropfen machen sollte, sie fürchtete, dass er wieder weinen würde und dann nichts mehr von ihm übrig bliebe, denn er war ja nur ein kleiner Tropfen und die Tränen kamen aus seinem Innersten.
Und so blieben sie weiter zusammen.
Von jedem Land, über das sie hinwegzogen, erzählte Frau Dicke Wolke dem kleinen Tropfen die Geschichte dieses Landes.
Manchmal wurden sie vom Wind über ein großes weites und wunderschönes Land getragen. Von da oben sah man alle möglichen Farben, einen schönen hohen Berg, dessen Kuppe immer weiß war. Auf der einen Seite des hohen Berges war ein schönes großes Meer und auf der anderen Seite lag eine sehr, sehr große Stadt. Der kleine Tropfen mochte dieses Land ganz besonders gern. Aber jedesmal wenn sie über dieses Land kamen, wurde Frau Dicke Wolke krank, weinte und wehklagte sehr viel, und sie zogen weiter.
Der kleine Tropfen hatte immer wieder Frau Dicke Wolke über dieses schöne Land gefragt, aber sie antwortete ihm nicht und wehklagte nur und zog weiter.
Eines Tages hatte der kleine Tropfen so sehr darauf bestanden, dass Frau Dicke Wolke ihm die Geschichte dieses Landes erzählen solle. Sie sagte, sie würde es tun, wenn er sie dann niemals mehr darüber fragen würde.
Und sie erzählte:
Mein lieber kleiner Tropfen, dieses Land ist ein sehr altes Land, mit guten und freundlichen und liebenswerten Menschen. Immer wenn ich über dieses Land zog, habe ich sowohl ihre Freuden als manchmal auch ihre Schmerzen und Leiden gesehen. Ich liebe diese Menschen sehr, weil ich weiß, dass sie für die anderen Menschen da unten auf der Erde sehr viel Gutes getan haben. Aber jetzt ist seit mehr als 20 Jahren ein schwarzer unglücklicher Schatten über das Land und seine Menschen gefallen und außer Wehklagen hört man nichts mehr von ihnen. Als Frau Dicke Wolke das erzählte, fing sie an, zu weinen, und sie schüttete ihre Tränen über den schönen Berg aus und zog dann ruhig weiter.
Die Tage vergingen, und der kleine Tropfen sah, wie es Frau Dicke Wolke immer schlechter ging und das Wetter wärmer und wärmer wurde. Frau Dicke Wolke versuchte mit Hilfe des Windes, zu einem kühleren Erdteil zu kommen, aber sie schaffte es nicht, und jeden Tag wurde sie kleiner und kleiner, bis sie eines Tages zu dem kleinen Tropfen sprach:
Mein lieber kleiner Tropfen, ich löse mich langsam auf. Nach all den Jahren, in denen ich versucht habe, mich zu halten, sehe ich jetzt deutlich, dass ich kleiner und kleiner werde und mich bald ganz auflöse. Wenn es soweit ist, dann bin ich nicht mehr da, um dich zu halten, und ich weiß nicht, ob du dann zu Dampf wirst oder mit meiner letzten Träne zusammen herunterfällst. Vielleicht fällst du auf einen warmen Erdteil und hast dann keine Chance. Du musst ins Meer fallen und dich im Meer auflösen!
Der kleine Tropfen weinte und sagte: Ich will nicht von dir fortgehen. Und er bat Frau Dicke Wolke so sehr, dass sie ihn nicht hinunter fallen lassen solle. So ging es immer weiter bis von Frau Dicke Wolke außer einer sehr dünnen Wolke nichts mehr übrig geblieben war. Und Frau Dicke Wolke sagte zum kleinen Tropfen: Ich löse mich bald auf, und ich werde dich in ein schönes Meer fallen lassen und selbst auch in diesem Meer untergehen und mich auflösen, dein Platz ist auch im Meer und nicht hier oben... Wenn du dich im Meer auflöst, wirst du dort auch mich finden und wir werden wieder miteinander vereint sein und dann bist du derjenige, der mich trägt. Der kleine Tropfen verstand nicht was Frau Dicke Wolke ihm sagte, aber am Ende willigte er ein, dass sie ihn in ein sauberes klares Meer werfen würde.
Aber jedes Meer, dass Frau Dicke Wolke vorschlug, lehnte der kleine Tropfen ab. Er sagte jedesmal dieses Meer sei schmutzig oder die Farbe gefalle ihm nicht oder es rieche nicht gut.
Und so zogen sie weiter und weiter bis Frau Dicke Wolke ihren letzten Atem hauchte. Sie blieb über einem wunderschönen Meer stehen und sprach zu dem kleinen Tropfen: Hier ist das beste Wasser der Welt. In einigen Augenblicken gibt es mich nicht mehr. Gott schütze dich! Und plötzlich war Frau Dicke Wolke nicht mehr da und der kleine Tropfen fiel nach unten. Er fiel und fiel und ihm wurde sehr kalt. Er fiel in ein Wasser und sank immer noch tiefer, bis er auf einer Meeresalge zum liegen kam, aber plötzlich abrutschte und in ein schwarzes enges Loch fiel. Überall war es Dunkel wie in der Nacht. Der kleine Tropfen fürchtete sich sehr und zog sich zusammen, damit er sich in diesem dunklen schmutzigen Wasser nicht auflöse.
Es verging einige Zeit und der kleine Tropfen dachte immer an Frau Dicke Wolke und konnte nicht glauben, dass sie ihn einem so schwarzen Wasser überlassen hatte. Sie hatte den kleinen Tropfen doch so sehr geliebt, wie konnte sie ihm dann so etwas antun. überall war es dunkel. In seinem Innersten sagte er sich: Jetzt kenne ich also auch das Meer. Soviel hat Frau Dicke Wolke immer und immer wieder vom Meer erzählt, dass ich dachte, das Meer sei schön. Es wäre besser gewesen, wenn ich mich auch wie Frau Dicke Wolke dort oben aufgelöst hätte...
Eines Tages kam ein kleiner rotgepunkteter Fisch, auf der Suche nach seiner Nahrung, die ihm aus dem Maul gefallen war, an die Öffnung dieses Loches und schwamm hinein. Er konnte nichts sehen und stieß plötzlich mit seinem Kopf an etwas Hartes, und weil er dachte, es sei seine Nahrung, öffnete er sein Maul, um es zu fressen. Der kleine Tropfen, der in den Erzählungen von Frau Dicke Wolke über Fische etwas gehört hatte, fing an zu schreien: Hej, du dummer Fisch, geh weg, du hast mir weh getan, mit deinem hässlichen Maul willst du mich fressen?
Der kleine Fisch erschrak und fürchtete sich sehr. Er schwamm schnell aus dem Loch heraus und flüchtete. Nach einer Weile fragte er sich, was das wohl gewesen war. Er kehrte zurück bis an die Öffnung des Loches, schwamm aber nicht hinein sondern rief: Hej, ich bin der dumme Fisch, wer bist du, und was machst du in dem Loch?
Der Kleine Tropfen antwortete: Schrei nicht so, du hast meine Ohren taub gemacht. Ich bin ein Tropfen.
Der kleine Fisch sagte: Was bist du? Ein Tropfen! Er hielt sich den Bauch und platzte fast vor Lachen.
Der kleine Tropfen wurde wütend und meinte: Was gibt es denn da zu lachen?
Der kleine Fisch erwiderte ihm: Ach, in der Tiefe eines so großen Meeres, sagst du, dass du ein Tropfen bist. Laß diese Albernheiten und sag mir, was du bist, sonst komm ich rein! Du meinst, du bist aus Wasser?
Der kleine Tropfen sagte: Ja, aber nicht von so einem schmutzigen Wasser. Ich komme aus dem Inneren von Frau Dicke Wolke und bin aus klarem Wasser.
Der kleine Fisch fragte: Was meinst du mit schmutzigem und dunklem Wasser?
Der kleine Tropfen antwortete: Hier, meine ich, es ist so Dunkel, dass ich mich selber nicht sehen kann.
Der kleine Fisch sprach: Was bist du doch für ein Dummkopf!
Der kleine Tropfen rief empört: Du bist selber ein Dummkopf und verrückt, dass du in so einem schmutzigen und dunklen Wasser lebst!
Der kleine Fisch sagte ernst: Entschuldigung, ich wollte dich nicht beleidigen, aber hier ist das Meer, und dein Pech ist, dass du in so ein schwarzes Loch hineingefallen bist. Aber das Meer hier ist unendlich voll mit klarem Wasser und voller Schönheiten...
Du sagst, dass du ein Tropfen bist, also aus Wasser, das bedeutet, du musst dich in Wasser, in diesem Meer auflösen, komm heraus, kleiner Freund...
Der Tropfen meinte aufgebracht: Das Meer! Das Meer! Sieh nur, obwohl Frau Dicke Wolke mich so lieb hatte, hat sie mir so etwas angetan. Und du, den ich überhaupt nicht kenne, wer weiß, was du mir antun willst.
Soviel sich der kleine Fisch an diesem Tag auch bemühte, der kleine Tropfen kam nicht aus dem Loch heraus.
Am nächsten Tag kam der kleine Fisch wieder bis an die Öffnung des Loches und fragte: Tropfen, bist du da?
Der kleine Tropfen antwortete ärgerlich: Natürlich bin ich hier, wo soll ich denn sonst hingehen.
Der kleine Fisch lachte und sagte: Du weißt selbst nicht, dass du von Wasser wie das Meer hier bist und es ist deine größte Chance, aber du verstehst nicht, dass du in dir selbst die Größe des Meeres trägst, ja du bist der Herr des Meeres und das Meer ist dein Zuhause.
Der kleine Tropfen meinte: Ich soll von Wasser sein, wie dieses schmutzige, dunkle Meer, niemals! Ich will einfach ein Tropfen bleiben. Ich habe einmal meiner besten Freundin, der Frau Dicke Wolke, vertraut und sieh, was sie mir angetan hat...
An diesem Tag blieb der kleine Fisch die ganze Zeit bei dem kleinen Tropfen und erzählte ihm von den Schönheiten des Meeres. Und obwohl der kleine Tropfen immer noch nicht aus dem Loch herauskommen wollte, hatten die Erzählungen des kleinen Fisches aber bewirkt, dass der kleine Tropfen zum ersten Mal in seinem Innersten an seiner Überzeugung zweifelte.
Am nächsten Tag kam der kleine Fisch wieder und der kleine Tropfen sah in ihm jetzt seinen Freund.
Der kleine Fisch grüsste: Guten Tag!
Der kleine Tropfen antwortete: Guten Tag! Du bist ein guter Fisch, dass du jeden Tag zu mir kommst.
Der kleine Fisch antwortete: Das ist nicht der Rede wert. Du musst an dich selbst glauben. Und er fing wieder an vom Meer zu erzählen. Er sprach so viel, dass der kleine Tropfen endlich einverstanden war, bis an die Öffnung des Loches mitzukommen. Der kleine Fisch schwamm in das Loch und nahm den Tropfen auf seinen Rücken und schwamm mit ihm bis zur Öffnung des Loches. Der kleine Tropfen schaute von der Öffnung her in das Meer hinaus. Dort war so viel Licht, dass der kleine Tropfen, dessen Augen jetzt nur an die Dunkelheit gewöhnt waren, überhaupt nichts sehen konnte und vor Überraschung auf einmal vom Rücken des kleinen Fisches herunterfiel bis in die hinterste Ecke des Loches. Der kleine Fisch ließ den kleinen Tropfen, ohne etwas zu sagen, allein.
Der kleine Tropfen dachte den ganzen Tag über an das Licht und entschloß sich, mit dem kleinen Fisch aus dem Loch hinauszuschwimmen.
Am nächsten Tag kam der kleine Fisch, und nachdem er den kleinen Tropfen begrüsst hatte, fragte er: Bist du bereit?
Der kleine Tropfen antwortete: Ja!
Der kleine Fisch nahm ihn auf seinen Rücken und schwamm schnell aus dem Loch in das Meer hinaus. Der kleine Tropfen rief: Oh, mein Gott, wie wunderschön ist das hier, voller Licht, das Wasser so sauber und klar und unendlich weit.
Der kleine Fisch trug den kleinen Tropfen soweit er konnte von einer zu anderen Ebene im Meer und zeigte ihm alle Schönheiten des Meeres. Das Meer war voller Leben. Als der kleine Fisch so weiter schwamm, hatte er plötzlich das Gefühl, dass nur noch das Meer um ihn herum ist. Und der Tropfen war das Meer und das Meer in sich selbst ein Tropfen.

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