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Eine verlorenen Generation  und sehr bald 2 Verlorene Genration sein

die Jugendlichen in Iran. Farshid Motahari schreibt über diese Menschen.

Jugend in Iran: Es gibt keine dunklere Farbe als Schwarz

 

DPA-Spiegelonline

Sie schuften in Billigjobs, zahlen überhöhte Preise und müssen ihre Liebe verstecken: Junge Iraner leiden unter der Misere ihres Landes und sehnen den politischen Wandel herbei. Bis der kommt, trösten sie sich mit ein bisschen Poesie.

 

Unter den Jugendlichen in Iran kursiert ein persisches Sprichwort: "Es gibt keine dunklere Farbe als Schwarz". Was sie damit ausdrücken wollen, ist klar: ihre Hoffnungslosigkeit und die Tatsache, dass es nicht viel schlimmer werden kann. Von den fast 80 Millionen Iranern sind knapp 44 Prozent Jugendliche unter 25 Jahren, viele von ihnen arbeitslos. Ausbildungsplätze sind rar, und auch Akademiker haben nicht die besten Jobaussichten.

"Ich habe einen Abschluss als Chemiker, finde aber in meinem Beruf keinen geeigneten Job", erzählt der 26-jährige Resa in Teheran. Tagsüber schläft er, abends trifft er sich mit Freunden. "Wir hängen alle herum, ohne wirklich etwas Nützliches zu tun", sagt er. Resa hat Angst vor der Zukunft, mittlerweile würde er jeden anderen Job annehmen, sagt er.

So wie ihm geht es vielen jungen Menschen in Iran. Aktuelle Statistiken zur Arbeitslosigkeit gibt es nicht. 2011 hieß es offiziell, die Quote liege bei mehr als 15 Prozent. Die Zahl hat nach Meinung von Experten keine wissenschaftliche Basis - und dürfte weitaus höher sein. Die Jugendarbeitslosigkeit der 15- bis 24-Jährigen liegt offiziell sogar bei 23 Prozent. Die Regierung hatte versprochen, zwischen 2006 und 2012 Hunderttausende neue Stellen zu schaffen. Medienberichten zufolge waren es in den sechs Jahren aber nur etwa 14.000.

Wer Spaß haben will, amüsiert sich im Verborgenen

Auch mit den hohen Preisen müssen die Jugendlichen kämpfen: Laut iranischer Zentralbank liegt die Inflationsrate bei fast 36 Prozent. "Viele junge Paare kommen zu uns", sagt der Teheraner Makler Ahmad. "Sobald sie die Höhe der Miete erfahren, gehen sie traurig wieder weg." Ein Universitätsprofessor, der nicht mit seinem Namen zitiert werden will, fasst die Misere zusammen: "Auch wenn Jugendliche einen Job kriegen sollten, ist es unklar, ob sie bei dieser Inflationsrate mit ihrem Gehalt vernünftig leben können."

Zumal strenge Regeln das Leben in Iran mitunter stark einschränken: Wegen der islamischen Vorschriften gibt es keine Kneipen oder Discotheken, in Restaurants gilt absolutes Alkoholverbot. Frauen müssen in der Öffentlichkeit Mantel und Schleier tragen, um alle Körperkonturen zu verdecken.

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Junge Pärchen ohne Trauschein können wegen der islamischen Gesetze und der strengen Sittenpolizei nach einem Date in einem Café auf einer Polizeiwache landen. Romantische oder gar erotische Stunden sind für die meisten unmöglich, denn ein Hotelzimmer bekommt man nur mit Heiratsurkunde. Es sei denn, man hat viel Geld für ein geheimes Liebesnest. Die meisten haben es nicht.

Wer dennoch Spaß haben will, muss sich im Verborgenen amüsieren. Das Sozialleben in Iran findet meist hinter verschlossenen Türen statt. Aber auch das ist nicht ohne weiteres möglich. Vor allem größere Partys muss man bezahlen können. Die meisten können es nicht.

Traum vom eigenen Heim

All das erlebt auch der Computerspezialist Behsad. Nach dem Studium hat er sich landesweit beworben, bekommen hat er einen Teilzeitjob als Handy-Verkäufer in Teheran. Der 24-Jährige installiert Spiele und Software. "Das kann auch ein Analphabet", sagt Behsad. Weil er Geld für seine Hochzeit sparen will, fährt er nachmittags mit seinem Auto Taxi. "Dafür muss man die Stadtkarte Teherans kennen, mein IT-Know-how nützt mir da nichts."

Mit seiner Freundin Mina, einer Studentin, träumt er von einem bescheidenen Leben im eigenen Heim. Bislang sieht die Wirklichkeit anders aus: Im Auto können Behsad und Mina heimlich Händchen halten, dann muss jeder wieder nach Hause. Beide leben noch bei ihren Eltern, die strikt gegen eine Beziehung ohne Trauschein sind. Heiraten können die beiden jedoch nicht, weil sie sich nicht mal die Miete für eine kleine Wohnung leisten können. "Was uns bleibt, ist das Träumen und der Trost, dass es Millionen genauso geht", sagt die 21-jährige Mina.

Viele Jugendliche, die es sich leisten können, versuchen, das Land zu verlassen. Doch im Westen werden nicht alle glücklich. Die 23-jährige Haleh zum Beispiel lebt in Toronto. "Ich habe in Kanada im Vergleich zu Iran zwar viele Privilegien, aber als Ausländerin bin ich einfach nicht anerkannt und werde es wohl auch nie werden", sagt sie. Vielen anderen Iranern geht es genauso, aber trotz gesellschaftlicher Probleme wollen sie oft nicht zurück. "Lieber unglücklich als perspektivlos", sagt Haleh.

Viele Möglichkeiten, ihre Situation zu verändern, haben die unzufriedenen Jugendlichen nicht. Bei der Präsidentenwahl im Juni ließen sie ihren Frust heraus: Die absolute Mehrheit der Wähler unter 25 Jahren wählte gegen das Establishment und stimmte für den Oppositionskandidaten Hassan Rohani. Die Botschaft war klar und wurde von Rohani auch wahrgenommen. "Die Jugend ist unsere Zukunft", erklärte der moderate Kleriker. "Ohne zunächst ihre Probleme zu lösen, kämen wir keinen Schritt weiter." Eine solche Aussage gibt dem Sprichwort "Es gibt keine dunklere Farbe als Schwarz" auch eine positive Seite: Es kann im Iran nur besser werden.

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